Stressreaktion

Die letzte Woche waren die anstrengendsten Tage bisher. Wir haben alle auf den Samstag hingearbeitet, weil da der Abschluss von den Talleres der Kinder und Jugendlichen war. Natürlich super, das an einem Tag zu machen. Ich habe die Woche über ein Banner entworfen, das wir letztendlich doch nicht aufgehängt haben, sämtliche Zertifikate für 40 Jugendliche, 200 Kinder und ein paar Schulleiter gephotoshopt und ausgedruckt, und habe, als mir das schöne gelbe Papier ausging,  in der Ceja für teuer Geld neues gekauft und mich dort verlaufen. Das Papier war dann auch noch das Falsche, es war zu dick für den Drucker. Dann habe ich mich außerdem letzte Woche getraut, wieder Sport zu machen. Ganz bin ich wohl nicht in der dünnen Luft angekommen. Nach 20 Minuten Laufen ging es kein Stück weiter. Wie deprimierend. Deshalb habe ich Dienstag bis 1 Uhr morgens (hört sich lang an, aber ich war auch erst um 23 Uhr von der Arbeit wieder Zuhause) nur Krafttraining in meinem Zimmer gemacht und dabei übertrieben, sodass ich bis Freitag Muskelkater hatte und nichts mehr gemacht habe. Jeden Tag war ich ca. 12 Stunden im Inti, weil wir abends die Trommeln neu herrichten und proben mussten weil wir am Dienstag vor dem Bürgermeister und anderen wichtigen Menschen auftreten. Und dann war auch noch der 11.11., und ich habe eine liebe E-Mail von Oma bekommen, und das alles hat dann dazu geführt, dass ich die ganze Woche nachts mit Heimweh im Bett lag und mir „Stääne“ von den Klüngelköpp angehört habe. Vielleicht sollte ich das mit den Karnevalsliedern auch sein lassen. Und das mit dem alte-WhatsAppverläufe-Lesen auch. Das war wohl letzte Woche die Erkenntnis, dass ich jetzt hier bin und hier Verantwortung habe. Allerdings hat der gestrige Tag, trotz 14,5 Stunden im Inti, meine ganze Sichtweise ein bisschen umgekehrt. Die Kinder und Jugendlichen hatten ihre Präsentationen und sie haben alle so schön getanzt, Zirkus gemacht, gesungen und gespielt, dass wir vom Inti gesehen haben, wofür wir das alles machen. Abends gab es Aptapi mit den Jugendlichen und ihren Eltern, das ist, wenn alle etwas zu Essen mitbringen und dann wird zusammen gegessen, eigentlich wie das Buffet auf Klassenfesten früher. Vorher hat Ludwin ein paar sehr starke Worte zu allen gesagt. Wie wichtig es ist, zu teilen, zu schätzen, was man hat, dass man überhaupt etwas hat und dass wir alle zusammengehören und uns brauchen. Dann sollte ich zu ihm vorkommen und mit ihm das Aptapi eröffnen. Wir haben uns beide mit den Händen von allem etwas genommen und haben dann allen guten Appetit gewünscht (leider habe ich das Wort dafür vergessen, aber das ganze hatte ähnlich viel Energie, wie wenn man „Lasst es euch schmecken, liebe Freunde!“ rufen würde). Ich hatte noch nie so bewusst und das, was ich habe, wertschätzend gegessen. Und dann wurde mir auch wieder bewusst, was ich an dieser meiner Bolivienzeit so schätze. So eine Gemeinschaft gibt es nicht in meinem Umfeld in Deutschland.

Trotzdem war ich froh, als nach dem Trommeln (habe mittlerweile Krämpfe in den Oberarmen, mache irgendetwas falsch dabei) der Tag vorbei war und ich das erste Mal in dieser Woche unbesorgt über den kommenden Samstag schlafen gehen konnte. Ich schlief so tief, dass ich heute um 9 Uhr wieder aufwachte und mich wunderte, dass es nicht schon nachmittag war. Bin dann erstmal entspannt zur sonntäglichen Feria von El Alto (größter Markt Südamerikas) gefahren und habe kräftig gebrauchte Sachen geshoppt, ein paar Schuhe und Anziehsachen. Es ist immer wieder schön, zu sehen, dass in einem großen Wühlhaufen der Michael Kors-Pullover den gleichen Wert hat wie ein T-Shirt von H&M, nämlich ungefähr 50 cent, statt 100 Euro oder so. Oh man.

Jetzt sitze ich wieder unten im Café mit WLan und kontakte nach Deutschland, nimmt mir mittlerweile auch keiner übel hier, wenn ich in 5 Stunden Aufenthalt und Internetnutzung nichts weiter als einen einzigen Orangensaft bestelle.

 

Auf bald und passt auf euch auf!

Klarita

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