Mein Problem?

Weil ich jetzt gerade Zeit und Internet habe ein paar Erfahrungen und weise Worte ueber Verantwortung. Und Schlaf.
„Klarita, kannst du morgen schon um 7:30 kommen? Wir sind alle ausser Haus, und sonst ist keiner da, der aufmachen kann.“ Mein Problem? Ja, schon. Weil ich mich naehmlich fuer das Inti und Ludwins Familie verantwortlich fuehle. Ob das jetzt gut oder schlecht fuer mich ist, weiss ich noch nicht genau. Ich weiss jetzt nur, dass es Dinge gibt, fuer die man sich mal aufopfern und um halb 7 aufstehen muss, oder dass Mittagessen sausen lassen, oder laenger als die festgelegten 8 Stunden arbeiten. Dafuer koennen dann Ludwin und Iveth beruhigt mit ihrem Baby zum Arzt, die Schulkinder werden sicher vom Inti nachhause gebracht, und wenn Nino nicht da ist, muss Giovana nicht alleine mit 40 Kindern Unterricht machen. Irgendwie fuehlt es sich nicht wie eine Ungerechtigkeit an, Dinge zu erledigen, fuer die ich eigentlich nicht verantwortlich bin, bzw. sein sollte, wenn ich die einzige bin, die bei etwas Notwendigem helfen kann. Und dann ist es selbstverstaendlich, das auch zu tun. Das ist keine Ueberzeugung, sondern ein Gefuehl, gegen dass ich mich weder wehren kann, noch will.
Anstrengend ist das trotzdem… Seit halb 8 sitze ich hier also uebermuedet am Schreibtisch und tu das, was ich nach dem Abitur schon viel zu viel getan habe, facebooken und rumgooglen. Aber tut gut. Heute morgen waren noch Juan, ein aufgedrehter Kolumbianer und seine fast noch verruecktere liebe Kollegin aus Argentinien, deren Namen ich leider vergessen habe, hier und haben mit mir gefruehstueckt. Wir haben uns sehr nett unterhalten und uns gegenseitig Musik und Fotos gezeigt. Die beiden sind glaube ich sowas wie herumreisende Clowns oder Schauspieler und haben gestern Abend fuer uns Inti-Jugend einen kleinen Theaterworkshop gegeben. Das war toll, ich habe dabei gar nicht mehr daran gedacht, dass ich 3 Stunden geschlafen, 9 Stunden gearbeitet und zu viel Sonne abbekommen hatte. Es gab lustige, um an Tettenborn zurueckzudenken, „Energizer“ und Improvisationstheater, bei dem ich unter lautem Beifall in ein Tamburin gekotzt habe. Danach, und nach Brits selbstgemachter Guacamole (welch eine Mitbewohnerin!) ging es mir wieder gut und dann haben wir leider doch noch etwas zu lange „Pu der Baer“ gehoert. Jetzt haenge ich hier herum, wie mein tropfender, niemals trocknender Wollpulli zuhause auf der Waescheleine und warte, dass ich ins Bett darf, nur noch so 8 bis 9 Stunden, yes! (Zitat aus meinem Oberstufenschuelergehirn)
Jetzt habe ich keine Lust mehr und gehe auf der Strasse Huehnchen essen. Machts gut, geht rechtzeitig ins Bett und beschwert euch ausgiebig ueber die ungesunden Unterrichtszeiten,
eure Klabaraba

1 Gedanke zu „Mein Problem?

  1. Liebe Klara, – es ist ganz toll, all die Dinge zu lesen und nachzuspüren, die Du grade erlebst. Das macht mir meinen Alltag hier manchmal zu etwas Besonderem, weil ich dann das vergleiche, was ich erlebe, mit dem, was Du erlebst. Und da gibt´s im Kleinen tatsächlich Gemeinsamkeiten.
    Zu Deinen „moralischen Gedanken“, dass man etwas Gutes tut, weil man die Notwendigkeit erkennt, bzw. es vielleicht sogar einfach von ganz innen heraus tun muss und gar nicht darüber nachdenkt, ob es „etwas bringt“, „einen Sinn hat“ — kann ich nur sagen: Kant! Das sind die wirklich moralischen Handlungen, die uns Menschen ausmachen können.
    Ich bin zwar kein großer Philosoph, aber das ging mir einfach spontan durch den Kopf…
    Alles Gute weiterhin!

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