Macht wieder Spaß

Ich habe das Heimweh und den Stress weitestgehend überwunden und kann mich jetzt wieder den schönen Dingen hier zuwenden, ohne das alles furchtbar zu finden. Die letzte Woche war wieder toll. Donnerstag hatten die Dritt- und Fünftklässler aus Ventilla ihre Tanzaufführung auf dem großen Sand- und Kieselfußballplatz. Jede Jahrgangsstufe hat einen traditionellen Tanz vorgeführt, den sie mehr oder weniger gut beherrschte, aber es hat viel Spaß gemacht zuzusehen. So vielfältig wie die Tänze selbst waren auch die Kostüme, so gab es zum Beispiel einen Tanz, bei dem die Jungs Sonnenbrillen tragen sollten, aber auch den der Viertklässler, der in Indiokostümen mit Speeren in der Hand getanzt wurde. Ich hab mir einen tierischen Sonnenstich geholt, aber der Tag war großartig für Nino und mich und auch für die Kinder, die endlich von uns ihre Zertifikate bekamen und stolz waren, dass wir ihnen beim Tanzen zugesehen hatten. Was merkwürdig war, wir wurden zu den anderen Lehrern und dem Direktor auf Stühle in die erste Reihe gesetzt und bekamen Cola und Sandwiches serviert. Für die alten Herrschaften, okay, aber ich bin doch gerade mal so alt wie die ältesten der Schüler. Ich kann mich nicht wirklich damit arrangieren „Profe“ zu sein, wo ich ja selber gerade erst aus der Schule komme. Die Bezeichnung, die uns die Kinder geben, wenn sie nachmittags ins Inti selbst kommen, „Hermana“ (Schwester), gefällt mir sehr viel besser.

Samstag war ein merkwürdiger Tag. Ich arbeitete irgendeinen Kram am Computer, bis es plötzlich 13 Uhr war und ich Migräne oder sowas bekam. Marcelo hatte einige Freunde da, sie hatten Hühnchen und andere leckere Sachen gekocht, aber ich konnte nicht mit allen anderen mitessen, weil ich sonst wahrscheinlich hätte kotzen müssen. Stattdessen hat mich Iveth im Schlafzimmer der Familie ins Bett verfrachtet, wo ich mit Manuel (9), der auf das Baby aufpasste, während die anderen oben aßen, Naruto schaute. Irgendwann bin ich eingeschlafen und 3 Stunden später, gegen 17 Uhr wieder aufgewacht, völlig verwirrt und im Arsch, wie nach jedem Mittagsschlaf. Es war tierisch am Hageln und es gewitterte so heftig, dass ich Angst hatte, mich vom Fleck zu bewegen. Sowohl Mittagsschlaf, als auch so ein Wetter hatte ich hier noch nicht erlebt. Seltsames Gefühl. Trotzdem ging ich nachhause. Auf dem Weg zum Minibus musste ich einige Pfützen mittels in Schrittweite geworfener Ziegelsteine überqueren, die ganze Straße stand unter Wasser.

Das wichtigste für mein Wohlbefinden ist aber wahrscheinlich immernoch der Sport. Ich habe mich bis letzte Woche einfach unwohl in meiner Haut gefühlt, aber ein bisschen Turnen in meinem Zimmerchen hilft mir mehr als alles andere. Ich fühle mich dadurch stark. Und dann kam gestern noch die schöne Überraschung, dass dieses Geturne wohl noch mehr bringt, als ich dachte, denn bei meinem erst zweiten Lauf in den ganzen drei Monaten hier gestern bin ich 35 Minuten durchgelaufen, das finde ich für 4000m Höhe ganz beachtlich, muss ich sagen. Eigentlich ist es traurig, dass ich meine Stärke und mein Selbstvertrauen auf so etwas stütze, aber was solls, wenn es hilft…

Auf jeden Fall macht es mir wieder mehr Spaß zu schreiben, vielleicht dann auch bald wieder etwas mehr über Bolivien und weniger über mich persönlich. Aber so wie es aussieht, lesen hier sowieso nur Leute, denen ich das alles hier nicht vorenthalten muss.

Schönen ersten Advent schonmal! Hier drüben bleibt leider jegliche Weihnachtsstimmungsmacherei aus 🙁

Eure Klarita

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