Explosiv

Hey sexy! Heute im hoehenfunk: Englisch und Singerei mit Backfischen; Siehst ja genauso aus wie damals – Mama und Papa am Start; Bolivien – was dann?; und im Chart-Special: Klaritas Top10 Nostalgiesongs vs. Top10 Boliviasongs. Wie immer explosiv und unerträglich selbstreferenziell.

Heute musste ich um 8:30 im Inti sein. Mein Wecker klingelte um 6:30. Ich stand um 8:12 auf, packte meine Zahnbürste ein und saß um 8:18 in einem Taxi. Um 8:41 war ich am Inti, wo meine drei 10. Klasse-Englischgirls schon vor der Türe warteten. Ich entschuldigte mich, rot, wie ich nun einmal werde, und fühlte mich dabei wie jemand, der normalerweise schimpft, wenn jemand 5 Minuten zu spät kommt, aber dann selbst alle warten lässt, weil er einfach den Wecker ausschaltet und weiterschläft. Solche Leute gehen echt gar nicht. Als um 9:28 alle Verben aus „Yesterday“ bestimmt waren und „used to be“ nicht mehr „usset toh beh“ sondern „juhst tu bi“ war riefen die Chicas aus der 12. an und sagten sie hätten so viele Hausaufgaben, dass sie nicht kommen könnten. Da sie sich sehr anständig entschuldigten, ansonsten immer motiviert Englisch lernten, und weil ich sie für ihr Hausaufgabenbewusstsein bewunderte, sah ich ihnen das nach und ging runter zum Frühstücken. Seit einigen Wochen habe ich zwei Englischkurse, aus einer 10. und aus einer 12. Klasse. Hier haben alle immer nur halbtags Schule, weil es zu wenige Räume gibt. Morgens gehen die Kinder und Nachmittags die Jugendlichen. Oder andersrum, je nach Schule. Dafür haben sie dann auch Samstags Unterricht. Das Leben eines bonner Schülers, der jeden Tag um 13 Uhr Schule hat, kann ich mir ausmalen. Carpe bis 3, Wache bis 6, Schlafen bis 12. So wie ich, wenn Französisch ausgefallen ist eben. Die Zeiten haben sie sich selber ausgesucht. Der Zehnerkurs Montags und Mittwochs um 8:30 und der Zwölfer um 9:30. Freitags kommen alle um 9 und gucken einen Film zusammen, auf Englisch mit spanischen Untertiteln und mit ganz viel Papaya knabbern oder wie auch immer das heißt bei Papaya. Das Filmgucken ist vor Allem ein Untertitellesen, denn um ehrlich zu sein können sie alle überhaupt kein Englisch. Ich weiß nicht, was sie da drei Jahre lang in der Schule für eine Sprache gelernt haben, aber von Englisch schien im Englischunterricht irgendwie wenig dabei gewesen zu sein. Ich fühle mich auch eher unterqualifiziert, Leuten, die fast so alt sind wie ich, in zwei Zeitstunden pro Woche Englisch beizubringen. Natürlich ist das für sie besser als gar nichts. Zumindest kann ich von mir behaupten, halbwegs westlichewelttaugliches Englisch zu sprechen und zu schreiben, aber was meine Didaktikskills angeht, habe ich mir noch einiges anzulesen. Lehrerin werde ich nicht mehr, das kann ich mit 19 bereits sicher sagen. Jedenfalls keine Englischlehrerin… Ich versuche einfach, sie viel hören, lesen, sprechen und vor Allem singen zu lassen. Das Gesinge übersetzen wir zusammen und es funktioniert tatsächlich, dass sie manchmal aus den ganzen Kontexten grammatische Regeln erschließen und so eben auch richtig verstehen und verinnerlichen. Vokabeln lernen und Tafelbilder abmalen gibt es auch, aber es ist eigentlich nicht so effizient, weil sie die Sachen zuhause eh nicht freiwillig lernen und weil diese Grammatik-Tafelbilder hier oft einfach zu abstrakt sind. Ich liebe Grammatik-Tafelbilder sehr, ich liebe es Sprache, zu zerlegen. Aber in dem Fall hier funktioniert es anders besser. Und dann gebe ich ihnen dazu immer Techniken an die Hand, wie sie ihr Englisch selber aufpolieren können. Die meisten Leute in Deutschland können Englisch, weil sie Übersetzungen von ihren Lieblingsliedern googlen, Game Of Thrones gucken und sich manchmal mit Skandinaviern unterhalten müssen. Und natürlich wegen Trundle und Marmalade. Aber sowas machen die Chicos einfach nicht, sie hören fast ausschliesslich lateinamerikanische Musik und Game Of Thrones gibt es immer relativ früh auf Spanisch. Auch, glaube ich, gibt es in der Schule keine Gedächtnisparasiten wie “What´s wrong, Sita?” oder “Ben is often lonely. He hasn´t got a lot of friends.” Damit jeder weiß, was ich meine, verweise ich zusätzlich auf den Rap de Manon und auf „´Quinte, Quinte!´, Caecilia clamat.” „Head and shoulders, knees and toes, knees and toes, head and shoulders, knees and toes, knees and toes.“ Ich weiß genau, dass du in deinem Kopf mitgesungen hast! Ich versuche, auch meinen Chicos so etwas ins Hirn zu pflanzen, indem wir dreundvierzig Mal dasselbe Lied singen und über seine Uebersetzung sprechen. Und ganz uneffektiv scheint es nicht zu sein. Dafür, dass ich wirklich nur ahne, wie man unterrichtet, läuft es ganz gut. Vor Allem die vier Mädels aus der 12. vertrauen mir blind und saugen alles, was ich ihnen beibringe auf, wie ein Schwamm. Sie haben immer Lust zu singen (sehr symphatische Eigenschaft) und vertrauen mir ihre Sorgen an, und ich ihnen meine. Es ist auf der einen Seite sehr schön, zwischendurch so entspannt miteinander zu plaudern, aber, auch wenn sie das nicht so wahrnehmen, komme ich mir dann blöd vor, ihnen Anweisungen zu geben und mich durch meine Kenntnisse ueber sie zu stellen, auch wenn es nur in dieser Hinsicht ist. Aber so ist es immer mit den Jugendlichen. Nach ein paar Minuten Workshop finde ich mich immer irgendwo zwischen ihnen sitzend und mit jemandem flüsternd wieder. Es sei denn, ich gebe den Workshop selbst, nur um mal so nebenbei zu erwähnen, dass ich jetzt auch ab und an Workshops fuer Jugendliche gebe. Dabei unentbehrlich: Lustige Energizer (BKHW-Seminare), anstrengende Stabis (BTHV), Hitler (Neo Magazin Royale #askadi, nein Spass, Geschichtsunterricht), bunte Videos zum Veranschaulichen dieses sogenannten Kapitalismus (Youtube) und gesundes Zeug, um ihre Ernährungsgewohnheiten ein bisschen in eine andere Richtung zu lenken (durch Ludwins Diabetes bedingte gesunde Ernährung im Inti). Ich bringe bolivianischen Jugendlichen die beiden Weltkriege näher. Damals im Spanisch- und Geschichtsunterricht wäre das für alle Anwesenden undenkbar gewesen.

Natürlich ist meine Lieblingsggruppe immer noch der kleine Chor, der momentan aus 9 Jugendlichen besteht (drei davon männlich!), von denen tatsächlich jeder singen kann und gerne singt. Mittlerweile singen sie “I Like The Flowers” im Kanon. Ich muss sagen, “I Like The Flowers” ist immer noch das Beste, was es für eine Gruppe unerfahrener Sänger auf der ganzen Welt gibt. Das funktionierte zu meiner Zeit sogar bei einer Schulklasse in ihren schlimmsten Jahren. Auf jeden Fall lieben sie es, auch wenn sie von dem Text kein Wort verstehen, aber das ist auch nicht so wichtig, der Text ist sowieso dämlich, vor Allem wenn man ihn Bolivianer singen lässt, die noch nie ein sogenanntes Daffodil gesehen haben. Hauptsache sie grinsen beim Singen und bekommen gelegentlich eine Gänsehaut von ihren eigenen Stimmen.
Drei Girls aus diesem Chor haben jetzt auch einmal die Woche bei mir Klavierunterricht. Ich mache daraus aber eher Harmonielehre, weil sie sehr musikalisch sind und sich das mit ein paar Grundlagen auch alles selbst beibringen und komponieren können, wenn ich wieder weg bin. Dabei sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich am Klavier auch nichts anderes kann. Zu meiner Fingertechnik würde Herr Beethoven die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.
Weil im Inti momentan sehr viele Musikinstrumente herumfliegen, bin ich dort gut beschäftigt. Neben Keyboard und Gitarre gibt es eine Kiste voller verschiedener Flöten, von denen ich die Zamponha (Panflöte) und Tarka (traditionelle, eckige Blockflöte) mittel beherrsche, und natürlich ein Charango, das mir in einer Schulaufführung der Misa Criolla schon einmal begegnete, da wussten wir allerdings noch nicht so viel miteinander anzufangen. Als meine Mama hier war, hat sie mir eines gekauft und es dann schon mal mit nach Deutschland genommen. Jetzt übe ich im Inti darauf zu, in Bonn und Region eine Charangisten-Monopolstellung zu erlangen und unverzichtbarer Bestandteil jeder Misa Criolla-Aufführung in der Umgebung zu werden. Die Charangistenfingernägel dazu habe ich bereits.

Bei den Kindern habe ich immer noch eine sehr merkwürdige Stellung. Es ist so, dass Kinder mich manchmal nervös machen, weil sie sehr gemein und demütigend sein können. Mittlerweile verstehe ich aber, dass ich am längeren Hebel sitze und Drohen in gewissem Maße erlaubt ist. Aber mir fällt es generell sehr schwer, Kinder nicht so ernst zu nehmen. Ich rede mit ihnen natürlich über andere Dinge, als mit anderen Jugendlichen oder Erwachsenen, aber ich behandle sie mit genauso viel Respekt und Würde, wie ich große Leute behandle. Sie lieben mich alle dafür, aber man sollte nicht denken, dass irgendein Kind auf mich hört, und wenn, dann höchstens aus Mitleid. Die einzigen Situationen, in denen Kinder mir zuhören, sind, wenn ich entweder etwas sehr interessantes, inspirierendes erzähle, oder ein besonders gutes Spiel erkläre. Aber das unterscheidet mich ja auch noch nicht von einem beliebigen ihrer Kameraden. Wieder so eine Sache, die vom Prinzip her natürlich schön ist, alle, auch Kinder, gleich zu behandeln, praktisch aber, wenn es alle tun würden, in einer großen Katastrophe enden würde. Eines dieser besagten besonders guten Spiele habe ich gestern getestet. Vereinsballsportler sollten die “Die Leiter” alle kennen. Eine Leiter aus Schnüren und Plastik, die man auf den Boden legt, und dann muss man auf verschiedene Weise und in verschiedenen Reihenfolgen in die Fensterchen reintreten. Ich poste ein Foto und verlinke ein Video. Ich persönlich bin “Die Leiter” auch nach drei bis vier Jahren wöchentlichen Trainings damit noch nicht Leid, vermute aber auch, dass schon Leute versucht haben, das Ding im nächsten Bermudadreieck zu versenken. Personen mit angesagtem Blödsinnsslang würden mich als “Koordinationsnazi” bezeichnen. Alle Kinder müssen zu Beginn jedes Tallers mit mir erstmal irgendeine Koordinationsübung machen, Bauch streicheln und auf den Kopf klopfen zum Beispiel. Ich glaube, dass Koordinationstraining total unterbewertet ist. Mit großer Sicherheit sage ich, dass ich durchs Hockey leichter neue Instrumente lerne und ich dank dem frühen Cellounterricht mit 14 bei meinem ersten Mal Training mit der Leiter die Koordinationsmandarine gewann. Vielleicht habe ich auch nur wegen des Cellounterrichts ab 4 (keine überambitionierte Mutti, ich bestand damals selbst darauf) nicht die Balllegasthenie meiner Eltern geerbt. Darüber, was Koordinationstraining noch alles schönes mit deinem Gehirn macht, möchte ich jetzt nichts sagen, weil ich Angst habe, dass irgendein gebildeter Leser hier mein Internetwissen widerlegen kann. Weil die Inti-Kinder alle weder Hockey noch Cello noch sonstirgendetwas außerhalb der Schule lernen können, haben sie größtenteils die Koordination einer Kartoffel. Ich habe aus Tränen, Blut und Schweiß zwei solcher Leitern gebaut und lasse die Kinder, die nachmittags ins Inti kommen, nun wöchentlich damit Übungen machen. Ich dachte, versuchste mal, wahrscheinlich rennen sie schreiend weg, aber tatsächlich lieben sie es und machen ehrgeizig mit. Success!

In den letzten Wochen hatten wir viele Workshops mit vielen Eltern zum Thema Ernährung. Bolivien hat drei Klimazonen, in denen wirklich alles an Gemüse, Obst und Getreide wächst, was wir uns vorstellen können, oder auch nicht vorstellen können, und davon kann man alles für wenig Geld auf jedem Markt kaufen. Aber wenn Ludwin ein Kind fragt, was es gefrühstückt hat, dann sagt es in jedem Fall “Té con pan” also Tee und ein Brötchen ohne alles. So ähnlich beim Mittagessen, fast immer Reis mit Kartoffeln. Aus Sicht der Eltern sieht das natürlich immer anders aus, “ein Süppchen mit ganz viel Gemüse”, aber da muss ich mich entschuldigen und zugeben, dass ich den Kindern eher glaube. In den Talleres hat Iveth erstmal ganz viel Wissenswertes über Nährstoffe und Mineralien erzählt. Danach haben alle zusammen aus den mitgebrachten Zutaten einen Quinoasalat zubereitet und dabei Basilikum und Olivenöl kennen und lieben gelernt. Die Quinoasalat-Idee hat Ludwin übrigens von meiner Mutter und meinem Bruder, die sich das haben einfallen lassen für das Karfreitagsessen im Inti. Ein Karfreitagsessen in Bolivien ist eine sehr ermüdende Veranstaltung. Jeder bringt ein vegetarisches Gericht mit, bis es insgesamt 12 sind und von jedem Gericht muss jeder einen ganzen Teller voll essen. Aber man muss nicht denken, dass es dann eben Salate und dünne Suppen gibt. Die bolivianische Küche ist davon geprägt, dass eigentlich die meisten Gerichte Kohlehydrate mit Kohlehydrate sind, zum Beispiel Kartoffeln mit Reis und Chunho (getrocknete Kartoffel). Oder Kartoffeln mit Kartoffeln. Und dann 12 von der Art, wir waren nach dem dritten Gericht pappsatt. Stell dir vor, du gehst zum Mittagessen zu deiner Oma, und danach gehst du noch zum Mittagessen zu deiner anderen Oma, und danach zu Kaffee und Kuchen wieder zu der ersten. So haben wir uns gefühlt.

Mit der Jugendgruppe steht uns kommende Woche was ziemlich Großes bevor, Cultura Viva. Das ist eine Veranstaltung, zu der Organisationen aus ganz Bolivien in El Alto antanzen, sich in Konferenzen austauschen, sich gegenseitig Workshops geben, mit Politikern über Kultur diskutieren und sich in einer riesigen Parade präsentieren. Das muss richtig geil werden! Wir spielen Tarkas und natürlich trommeln wir auch. Wir arbeiten an einem großen zusammenhängenden Getrommel aus allen unseren sieben Rhythmen. Das erste Mal werden wir gegen andere Gruppen trommeln. Das heißt dann “Batalla”, aber “Schlacht” scheint mir eine ungünstige Übersetzung. Dazu machen wir Feuerspektakel, Feuer spucken und schlucken und Hände und Füße anzünden. Wir werden unsere Finger in Alkohol tauchen, sie anzünden, und dann das Feuer ablecken. Ich mache Freezes (Breakdancefiguren, bei denen der Kopf auf dem Boden ist) mit brennenden Schuhsohlen und tanze mit meinen Beinen in der Luft, und Adalid springt über mich drüber und macht noch viel verrücktere Figuren. Aldo zieht mit Benzin eine brennende Linie vor dem Publikum, damit sich alle erschrecken und ja nicht zu nahe kommen wenn er riesige Feuerwolken in den Himmel spuckt. Das wird so geil!

Am 1. Mai haben wir schon sehr gut auf der großen Demo in La Paz’ Innenstadt getrommelt, mit den weisen Damen von ASOFAMD, die ich jetzt nicht noch einmal erklären werde, weil sie in irgendeinem älteren Blogeintrag (mittlerweile sind sie alle schon älter) schon mal vorkommen. Es war geiles Wetter, wir waren alle gut drauf und konnten die Rhythmen perfekt. Die Arbeiter, die mit ihren Gewerkschaften mitgelaufen sind, mochten uns nicht, weil die ganze Presse zu uns gekommen ist und uns aufgenommen und befragt hat. Das ist verständlich, wir haben ja eigentlich keine Ahnung was Arbeit ist und machen trotzdem die größte Aufruhr von allen. Aber Fakt ist, dass wir und ASOFAMD eben auch am Lautesten unsere Forderungen herausgeschrieen haben. Die Anderen hätten es genauso machen können. Man sollte sich nicht murmelnd über Missstände beschweren, wenn man sich aber gleichzeitig zu bequem ist, tatsächlich etwas dagegen zu unternehmen und die öffentliche Aufmerksamkeit darauf zu lenken (Wink mit dem Zaunpfahl an…naja, alle halt). Nach der Demo haben wir noch auf der großen Plaza vor der San Fransisco-Kirche getrommelt, getanzt und Feuer gespuckt, weil wir nach der Hinfahrt schon kein Geld mehr für Bus und Mittagessen hatten. Wir hatten uns den ganzen Tag schon so hingebungsvoll in Rage getrommelt, dass nach diesem Auftritt auch die ersten Hände geblutet haben und wir mußten uns notdürftig unsere Finger mit Kreppband tapen. Nach einer halben Stunde Rückfahrt nach El Alto und einer weiteren halben Stunde Fußmarsch mit Trommeln bis zum K’alakaya, ein anderes Projekt, wo wir abends auf der
Jubiläumsfeier auftreten sollten, gönnten wir uns endlich unseren hart verdienten Mittagstisch. Dann sind wir alle kurz nachhause gefahren um Schweiß und Ruß abzuduschen und waren um Acht wieder im K’alakaya, um uns wieder schmutzig zu machen. Ein letztes Mal an diesem Tag haben wir alle Rhythmen gespielt und Feuer gemacht und Leute zum Tanzen gebracht, haben es aber trotz Erschöpfung nicht sein lassen können, zu den “Andenklängen” der K’alaqaya-Band zu tanzen. Ich erzähle das alles so schön, weil es der beste Tag meiner ganzen Bolivienzeit war. Ich habe den ganzen Tag mit Leuten, die ich liebe, an Orten, die ich liebe, getan, was ich liebe, für die Idee, die ich liebe. Deshalb.
Ansonsten ist im Inti alles cool. Ich habe natürlich längst noch nicht alles erzählt, was so los war, aber ich muss wirklich mal voran kommen.

Ich habe mittlerweile Besuch von meinen Eltern bekommen. Im Februar von meinem Vater und seinem besten Freund und Ende März von meiner Mutter und meinem Bruder. Generell ist es ein sehr seltsames Gefühl, seinen Eltern in einer anderen Welt überlegen zu sein und sich Zuhause zu fühlen, wo sie zunächst völlig verloren sind. Ich fühle mich dabei so merkwürdig, fast unangenehm, erwachsen. Ich habe mich schon immer sehr stark nach meinen Eltern orientiert und sie als Vorbilder und “höhere Instanz” gesehen. Ich hatte nicht mal eine richtige Pubertät, weil ich ihnen aus irgendeinem Grund immer alles glaube. Aber hier bin ich meinen Eltern und meinem großen Bruder einfach überlegen, weil ich mich, anders als sie, in Bolivien auskenne und Spanisch spreche. Wirklich verrückt, dieses Erwachsenwerden. Ich bin mit ihnen viel gereist. Ich war am Titicacasee, auf dem Salar de Uyuni, größter Salzsee der Erde, in der Wüste, an einer roten, einer türkisen und einer stinkenden Lagune, in der Minenstadt Potosi und in dem mir altbekannten Sucre, habe Flamingos gesehen, im besten Restaurant Boliviens gegessen und es einfach genossen, meinen Eltern diese Welt hier zu zeigen. Das ist eine Zusammenfassung dieser Besuchszeiten. Um es wieder auf meine Lieblingsebene, die selbstanalytische, zu bringen, möchte ich hiermit das Fazit ziehen, dass mich die Anwesenheit meiner Eltern überall beruhigen kann. Als sie hier waren, war alles irgendwie nur halb so aufregend und alles, was mir hier Sorgen bereitet, halb so schlimm. Zuhause bleibt eben alles so, wie es war. Mein Vater wird seine Reisen immer sorgfältig und auf die Stunde genau vorausplanen und meine Mutter und mein Bruder werden immer mehr oder weniger einfach drauf los reisen und spontan gucken, was gerade wie passt. Es war sehr beruhigend, sie alle so, wie ich sie kenne, in ihrem Reiseverhalten wieder zu erkennen.

Meine Freizeitgestaltung hat in letzter Zeit viele Veränderungen durchgemacht. Viele Wochen lang bin ich jeden Donnerstag und Sonntag, meine freien Tage, erst mittags aus meinem Bett aufgestanden, dabei dachte ich, das hätte ich komplett abgelegt… Danach bin ich immer mit dem Teleferico nach Sopocachi gefahren, habe den Nachmittag im Blueberries verbracht und nichts Produktives getan, sondern stundenlang über WhatsApp mit Leuten mit gutem Humor geschrieben. Mir fehlt dieser Humor, der zwischen zwei Menschen wirklich nur existieren kann, wenn sie sich länger als ein Jahr kennen, der ansonsten einfach nur creepy Gelaber wäre. Danach bin ich eine Zeitlang sehr viel Laufen gegangen, bis ich schon wieder 8 Kilometer konnte, wenn auch sehr, sehr langsam. Für 8 Kilometer brauche ich momentan fast eine ganze Stunde, ich hoffe meine 40min-Brückenrunde ist einfach nur unten in Bonn geblieben. Aber wenn ich daran denke, dass ich mit dieser Fitness hier hoch auf 4000m gekommen bin und anfangs in El Alto nicht mal 2 Minuten am Stück zu Fuß gehen konnte, macht mir das nicht mehr so große Sorgen. Außerdem bin ich stärker als jemals zuvor in meinem Leben. Jetzt erstmal körperlich. Wenn ich Einkaufstaschen trage, gehen meine Hände kaputt, bevor meine Arme müde werden. Ich kann Kopfstand nur auf Ellenbogen. Und Kopf natürlich. Ich kann 5 Minuten lang Unterarmstütz und einen Freeze, bei dem ich nur auf Kopf und Schulter stehe. Das erzähle ich aus zwei Gründen. Zum Einen bin ich einfach eine schlimme Angeberin. Zum Anderen will ich damit die Kraft meiner Begeisterung verdeutlichen. Wie man sich denken kann, sind solche Dinge Produkte meiner Disziplin. Aber nicht diese nötige Art von Disziplin, wie regelmäßiges Putzen, Lernen, oder anständig Kochen. Es ist tendenziell eher sinnlos, darauf hinzuarbeiten, 5 Minuten lang nur auf Ellebogen und Fußspitzen zu liegen. Aber dabei will ich unbedingt diese geilen Breakdancefiguren können, deshalb mache ich langweilige Bodenübungen. Alles, womit ich Leute beeindrucken kann, ist für mich eine Waffe, um sie zu beeinflussen. Ich erkämpfe mir damit Respekt und Bewunderung, und dadurch auch Einfluss. Sie sehen es alle, wenn wir trommeln und Adalid tanzt, werden sie aufmerksam auf uns und unsere Ideen. Wir trommeln nicht, um zu trommeln. Wir tanzen nicht, um zu tanzen. Ich stelle mich nicht auf den Kopf, um mich auf den Kopf zu stellen. Wir tanzen für das Inti, für unsere Ideen und für unsere Ziele. Wir wollen erreichen, dass die Leute uns Bewunderung, Respekt und Vertrauen schenken, dafür, dass wir sie überraschen und unterhalten. Und es funktioniert. Ich habe dasselbe für Deutschland vor. Ich möchte eine Trommelgruppe gründen und leiten, die so gut ist, dass sie die Macht hat, Leute zu beeinflussen. Das ist verrückt, aber im Inti habe ich gelernt, dass verrückt nicht gleich unmöglich ist. Jetzt, da nach meiner Laufphase, die abrupt beendet wurde, weil ich krank wurde und Husten bekam, auch die Game Of Thrones-Phase überstanden ist, bin ich fleißig am üben, und zwar alles Mögliche, von Charango über Kochen bis zu meinen Breakdancefiguren.

So siehts also immoment so aus. Ich habe jetzt nur noch weniger als vier Monate hier und habe, wenn ich daran denke, die gemischtesten Gefühle, die man nur haben kann. Ich freue mich immer noch extrem auf Zuhause. Neben meiner Familie freue ich mich am Meisten darauf, wieder Hockey zu spielen, aufs Inlineskaten und auf den Kottenforst. Ich vermisse nichts mehr als den Kottenforst! Ganz viele Bäume auf einem Haufen, in denen singende Vögel leben! Ist doch unglaublich. Das erste was ich tun werde, wenn ich zurück bin ist, mit den Inlinern durch den Kottenforst nach Röttgen zu Oma zum Abendessen fahren, und wenn ich dabei draufgehe, weil ich für das Ausmaß meiner Beinmuskulatur zu schnell fahre, die Kontrolle verliere, in den Weiher falle und ertrinke. Ich bin mir bewußt, dass ich eine sehr beschönigte Vorstellung von meiner Rückkehr habe. Ich stelle mir vor, dass alles wie immer sein wird, aber selbst wenn es das ist, habe ich mich wahrscheinlich so verändert, dass es für mich gar nicht mehr so aussieht. Ich hörte Geschichten über Rückkehrer, die in ein tiefes, depressivs Loch fielen. Dass es schlimmer wird, als mein anfängliches Heimwehloch kann ich mir aber wirklich nicht vorstellen. Wobei auf der anderen Seite natürlich mein Bolivienleben steht. Es ist unheimlich, dass in wenigen Monaten dieser Alltag, den ich momentan erlebe, verschwindet und niemals wiederkommt. Immerhin weiß ich, dass ich einiges gelernt habe und stärker von hier weggehe, als ich hergekommen bin.

Ich fühle mich sowieso sehr viel klarer und stärker. In der Hinsicht Selbstständigkeit und Verantwortung habe ich natürlich viel erfahren, das geht kaum anders nach so viel Zeit alleine in einem so weit wegken Land. Aber ein anderer wichtiger Punkt ist, wie ich mich selbst und meine Meinungen verkaufe. Mir ist und war immer wichtig, was andere von mir denken. Ich mache mir viele Gedanken darum, was ich ins Internet stelle, weil ich so total einfach ein Bild von mir in die Öffentlichkeit tragen kann. Dabei geht es mir aber um Leute, die mich nicht gut kennen. Wie viele meiner Facebook-Freunde wissen schon wirklich wer ich bin? Den Anderen kann ich irgendetwas von mir vorgaukeln, und wenn sie dann davon ausgehen, ich sei eine intelligente und selbstsichere Person, teile ich irgendwelche Meinungen und Statements, die ich gut finde. Ich will, dass sie mir das alles glauben. Genauso ist das übrigens mit dem hoehenfunk. Ich bin natürlich ehrlich in Allem, was ich schreibe, denn den Blog schreibe ich ja vor Allem für Leute, die mich gut kennen, und die es wirklich interessiert, wie es mir geht und was ich so mache. Aber es schwingt beim Schreiben natürlich immer mit, dass wir uns hier im Internet befinden und im besten Fall auch Menschen diese Texte lesen, die mich nicht besonders gut kennen, und sich nur von mir unterhalten und hoffentlich auch ein bisschen manipulieren lassen. Deshalb ist es natürlich berechtigt, dem Meinungsaustausch übers Internet kritisch gegenüber zu stehen. Es ist sehr, sehr, sehr bescheuert, mit Leuten zu diskutieren, die man nicht persönlich kennt. Die Meisten von euch kennen die Kommentarediskussionen unter Facebookposts von focus oder welt.de. Mal ernsthaft, nur dumme Leute kommentieren so etwas im Internet. Das erkennt man zum Einen einfach meistens an der Qualität der Kommentare, aber vor Allem muss man doch wissen, dass es wirklich niemanden schert, wenn irgendwelche Versager mit ihrem welt.de- und bild.de-Wissen versuchen, durch ihre unerfragte Meinung eine Bedeutung zu erlangen. Im Prinzip versuche ich dasselbe, aber mit etwas mehr Vernunft. Ich rede nicht von Dingen, von denen ich nichts verstehe, und wenn doch, dann sage ich es dazu. Ich versuche nicht, die ganze Welt anzusprechen, sondern lasse die Leute mich freiwillig anklicken. Ich spreche nur von mir persönlich und tu nicht so, als vertrete ich die Meinung der ganzen Welt. Das ist eigentlich alles. Ich würde das gerne als Internet-Meinungsaustausch-Spielregeln festlegen. Zu meiner Veränderung also, vorher habe ich mich einfach nicht getraut, eine Meinung zu haben, weil ich immer dachte, ich habe eh keine Ahnung von dem, was in der Welt so passiert. Natürlich konnte ich sagen, es ist schlimm, dass Leute hungern, aber warum, wessen Schuld es ist und was man eigentlich daran ändern kann, ich hatte wirklich keine Ahnung, woher man das wissen soll. In Bolivien sehe ich alles. Ich bin genau dran. Ich bekomme die Bewegungen der Ärmsten eines Dritte Welt-Landes mit, verstehe endlich meine eigene Kultur und werde mit meinem Weißsein konfrontiert. Dadurch, muss ich sagen, fühle ich mich denen, die Europa nie wirklich verlassen haben, in meinen Erfahrungen extrem überlegen. Es ist so. Die Meisten haben keine Ahnung, was Reichtum eigentlich bedeutet. Und Menschlichkeit. Ich zumindest musste herkommen, um mich beim Öffnen eines Nutellaglases unwohl zu fühlen. Ich bin einfach drin in dieser Welt, hineingeboren, angepasst, gierig. Wie normal kann es sein, ein wahrscheinlich echt böses Unternehmen zu unterstützen, nur weil man Schokocreme geil findet? Ich weiß, dass ich, um alles zu bestätigen, was ich manchmal denke und erzähle, entweder in Bolivien aufs Land in eine Comunidad ziehen, oder mich in Deutschland ausschließlich aus meinem eigenen Garten ernähren müsste. Und ich tu beides nicht. Tja.

Weil ich gerne Musik teile und es einfacher ist als viel Text mit viel Inhalt zu verfassen: Hier zunächst meine Top10-Nostalgielieder! Alle Lieder, die mich an Zuhause und an meine langweilige Pubertät erinnern. Natürlich fange ich bei Platz 10 an, um die Spannung zu halten.

10. Mumford and Sons: Liar
Mumford and Sons sind jetzt, da sie vor ein paar Tagen ein unfaßbar schlechtes Album veröffentlicht haben und ich ihre große Ära „Klaras Lieblingsband“ auf Facebook persönlich für beendet erklärt habe, noch mehr Nostalgie, als sowieso schon. Ihre Musik wird mich nun nicht weiter durchs Leben begleiten, sondern nur noch der Soundtrack vergangener Zeiten bleiben. „Liar“ ist ein Ausruf verzweifelter Liebe, wie sie nur Sechzehnjährige verzweifelt lieben können. Seufz.

9. Howard Shore: Concerning Hobbits
Die Hobbitmelodie kenne und liebe ich seit ich sie in einer der allerersten Schulorchesterproben spielend hören durfte. Seitdem ist sie fest verankert in meinen Mittelerdeträumen, in denen ich als kleines Hobbitmädchen sorglos durchs Auenland jumpe und dabei Mandarinen futtere.

8. The Fray: How To Save A Life
„How To Save A Life“ ist das Beste aus dem Sommer, in dem ich 14 war und welchen ich quasi ausschließlich mit den besten Menschen der Welt auf dem Hockeyplatz verbrachte. Ich schwöre, das war die beste Zeit meines Lebens. Unfassbares Deja-Vu-Potenzial.

7. Felix Mendelssohn: Verleih uns Frieden
Nur auf Platz 7, weil es kein Dauerbrenner meiner Jugend, sondern immer eher ein uncooles Schulchorlied war. Aber ich bin gewachsen und gereift und begreife nun die Schönheit dieses Liedes und der verzweifelten Bitte „Verleih uns Frieden“ an den Gott, an den ich nicht glaube, der aber so vielen Menschen Hoffnung gibt. Für mich hat es eine wahnsinnige Kraft und es löst jedes Mal, wenn ich laut eine schöne Aufnahme davon höre, ganz viel Positives in mir aus.

6. Kate Bush: Snowflake
Mein Skiurlaub-Song und auch ein Lied, das besonders einen Moment untermalt. Als wir vor ein paar Jahren wie immer in Scoul im Skiurlaub waren, haben wir eines abends eine Wanderung zu einem Dorf gemacht (eigentlich zu dem Restaurant in dem Dorf). Es war dunkel und wir waren im Wald und ich bin viel zu langsam gegangen, war also all alone auf diesem Waldweg zwischen verschneiten Bäumen und langsam hinabschwebenden Schneeflocken. Und mit diesem Lied auf den Ohren war ich eine von ihnen. Das war einfach magisch.

5. Johannes Brahms: Ein Deutsches Requiem, II: Denn Alles Fleisch
Genau so genial wie gruselig. Das erste Mal gehört mit 12 im Rahmen einer Schulchorprobe, am Tag nach dem Tod meines Opas. Das Gefühl, kindlich verstört vom Verlust des Großvaters und vollkommen von diesem geheimnisvollen Tod verunsichert im Musikraum zu sitzen, dieses Stück auf voller Lautstärke zu hören und vom Musiklehrer ein Todesmarsch-Bild in den Kopf gesetzt zu bekommen, es wird mir für immer in prägender Erinnerung bleiben.
Ich weiß nicht wie die Aufnahme ist, habe keine Kopfhörer dabei…Hoffe, sie knallt!

4. Klara: Luftschloss
Auf Platz 4 ist einfach tatsächlich ein Lied von mir. „Luftschloss“ ist eines der beiden Lieder, die ich nicht nur selbst geschrieben, sondern auch selbst aufgenommen habe, ohne eine Garage Band-Synthesizerfunktion zu benutzen! Es klingt, wie es ist, ich war 15. Aber den Text finde ich immer noch super, eine Ode an die Fantasie. Natürlich habe ich es nicht auf Youtube gestellt, deshalb hier nur der Text. Wer es hören möchte, der schreibe mir eine E-Mail oder eine Nachricht bei whatsbook, oder wie das heißt.

Ein kleiner Schritt in den Tag
In Hoffnung auf das Größte.
Ein leises Lied im Kopf,
Doch in der Flaute ist es schrill.

Jedes kleine Wort ein großer Traum,
Ein Entwurf deines Milieus.
Allein versiegtst du, allein im Raum,
Allein und losgelöst,
Völlig losgelöst.

Utopien.
Du sehnst dich doch
Nach der Essenz,
Bau dir ein Luftschloss
In Florenz
Illusionen.
Zeig mir dein Reich,
Unsagbar groß,
Bau dir ein Luftschloss,
Bodenlos.

Was dich treibt, ist ein Reiz,
Der befindet sich am Ende der Welt.
Dein Blick reicht weit, doch er zehrt
Von den Bildern und von deiner Zeit.

Und was uns bleibt, nach den Ideen,
Ist alleine dieses Licht.
Das kannst du fühlen, das kannst du sehen,
Aber Klarheit ist das nicht.
Nein, Klarheit ist das nicht.

Utopien.
Du sehnst dich doch
Nach der Essenz,
Bau dir ein Luftschloss
In Florenz
Illusionen.
Zeigst mir dein Reich,
Unsagbar groß,
Du baust dir ein Luftschloss,
Bodenlos.

Wehe, ihr lacht. Ich finds gut…

3. Charles Trenet: Douce France
Uns gibt es schon immer in Südfrankreich, und genauso lange gibt es auch Charles Trenet in meinem Ohr. Er läuft seit ich denken kann in unserem durchs Languedoc gurkenden Auto und „Douce France“ ist eines dieser Lieder, die man mitsingen kann, obwohl man den Text nicht kennt, nämlich so Agathe Bauer-mäßig.
https://www.youtube.com/watch?v=T0Ynz0Kt-vU

2. Wise Guys: Alles im grünen Bereich
Mit den Wise Guys habe ich in der 4. Klasse angefangen. Stellt euch vor, wie ich 9 bin, inmitten eines Kinderzimmers bis zum Rand voll mit Legosteinen sitze und zum neunundsiebzigsten Mal meine LieblingsCD „Alles im gründen Bereich“ höre. So war das damals. Da habe ich noch nicht auf den Text gehört, mit 9 findet man die Musik cool, kann mitsingen und ist fasziniert davon, was man ganz ohne Instrumente alles anstellen kann. Aber der Titelsong des Albums ist und bleibt für mich ein kindliches, positives Lebensgefühl.

1. Coldplay: Lovers In Japan
Mein ganz klarer Platz 1, nach Veröffentlichung von „Viva La Vida“ abends im Bett in Dauerschleife rauf und runter gehört. Ich hatte keine Kopfhörer, geschweige denn MP3-Player oder iPod, also lag die CD in der Stereoanlage und die Boxen mit mir im Bett, links und rechts von meinem Kopfkissen. „Lovers In Japan“ war 4 Jahre lang mein offizielles Lieblingslied. Leider ist Coldplay, genau wie Mumford and Sons, scheiße geworden.

Step Two: Die Top10 meiner Bolivien-Lieder. Ob spanisch oder nicht, für mich sind sie alle Bolivien!

10. Klüngelköpp: Stääne
„Stääne“ habe ich tatsächlich erst in Bolivien für mich entdeckt (für sich entdecken=runterladen) und prägt meine schlimmste Heimwehphase. „Usjewandert un wegjetrokke, Minsche jonn un Minsche kumme. Doch et Hätz bleev für immer he, doch dat merkste ätz peu a peu.“ Diese kölschen Heimatsongs sind wirklich dämlich. Durch sie habe ich erst richtig gemerkt, dass ich mich wohl ganz schön mit Kölle identifiziere. Wenn du dich nicht besonders mit dem Rheinland verbunden fühlst, schaltest du diese alberne, schlechte Musik doch sofort wieder aus. In diesem Lied würde ich „Dom“ allerdings gerne durch „Nikolauskirche“ ersetzen. Das Rätsel, warum alle Bonner denken, sie seien Kölner, ich nehme mich da nicht aus, hat noch niemand lösen können.
In der Videobeschreibung steht übrigens der Text, besonders für meine Mitfreiwilligen aus Berlin und Süddeutschland!

9. Wiz Khalifa: Young And Wild And Free
Sobald Franco im Haus ist oder Marcelo das Wohnzimmer putzen muss, läuft dieses Lied laut in Ludwins und Iveths Wohnung. Ich freue mich einfach immer wieder, wie wir in diesem Moment im Inti unsere flegelhafte Seite rauslassen können („So what we smoke weeeeed!„), ohne dass es jemand merkt, weil außer uns niemand Englisch kann. Es ist dasselbe Gefühl, wie damals, wenn meine Schwester und ich so früh morgens schon wach waren, dass beide Eltern noch schliefen, und wir heimlich Fernsehen gucken konnten.

8. Enrique Iglesias: Bailando
Seit ich hier bin als Superhit in jedem Radio als gefühlte Dauerschleife zu hören. Jedes Kind kennt den Text auswendig und wir werden nicht müde, darauf zu tanzen und mitzusingen, obwohl es eines der dämlichsten Lieder von der ganzen Welt ist.

7. BAP und Clueso: All die Augenblicke
Nettes Lied, aber das was ich daran toll finde ist eigentlich nur, dass der von mir verehrte Clueso ein Feature mit BAP macht. Die entspannte Cluesostimme mit entspanntem Kölsch-Jeschwaade ist eine wunderbare Mischung.

6. Ludovico Einaudi: Di giorni (mit Daniel Hope, yeah)
Es ist zu meiner Gewohnheit geworden, wenn mir jemand Mateo (Iveths Baby) auf den Arm gibt, nach oben zu gehen, laut diese Musik anzumachen und mit dem Baby Walzer zu tanzen, bis es eingeschlafen ist. Funktioniert IMMER.

5. Silvio Rodriguez: Quien Fuera
Dazu kann ich nicht viel sagen. Dieses Lied ist so wunderschön und ruhig. „Estoy buscando una palabra en el umbral de tu misterio“, „Ich suche ein Wort an der Schwelle deines Mysteriums“. Uhh.

4. Mumford and Sons: Below My Feet
Dieses Lied liebe ich schon lange, aber einfach weil ich es auch hier immer noch rauf und runter höre, landet es auf Platz 4. Meiner Meinung nach eines der schönsten Mumford and Sons-Lieder.

3. Bombay Bycicle Club: Ivy And Gold
Ein Lied, um das verschiedene Bolivianer immer wieder bitten. Fröhlich und wie zum hingebungsvollen Mitsingen gemacht.

2. Silvio Rodriguez: Sueno con Serpientes
Das erste Lied, das ich in Bolivien gelernt habe und immer noch regelmäßig singen muss, weil ich sonst auf Entzug gerate. Auch der Liebling meiner Chor-Chicos. Mara mußte weinen, als wir es letzte Woche nach langer Zeit noch einmal sangen, mit Klavier. So muss Musik.

1. Passion Pit: Love Is Greed
Ich schwöre es euch, eine Zeitlang war ich süchtig nach diesem Lied, seiner Energie wegen, und wegen seiner Powerfulmitsingbarkeit und Fußstampfbarkeit. Außerdem finde ich es schlichtweg Wahnsinn, so einen Text mit so einer Musik zu verbinden. Die spinnen doch. Saugeil.

Leider habe ich noch drei Plätze, die allerdings regulär keinen Platz mehr in den Top10 finden…Also 10.2, 10.3 und 10.4:

10.2. Noel Gallagher: Dying Of The Light
Nach anfänglicher Enttäuschung über sein neues Album entpuppte sich dieser eine Song doch als relativ geil. Ebenfalls geeignet für gequältes Gegröle (sofern du alleine bist).

10.3. Edvard Grieg: Holberg-Suite
Das macht einfach nur unfaßbar viel Spaß anzuhören. Mein Spaziergang-Song Nummer 1!

10.4. Rafaga: Una cerveza
Zu guter Letzt präsentiere ich euch das dämlichste Lied von allen. Es geht darum, dass jemand nicht mehr voon seiner Freundin geliebt wird und deshalb ganz viel Bier trinkt. Genau wie „Bailando“ ein Dauerbrenner.

Das war es. Man muss sich nicht alles anhören, kann man aber theoretisch.

Dieser Blogeintrag ist kein Meisterstück meiner Schöpfung, aber zumindest existiert er, was man ihm, wenn man bedenkt, dass Klaras Lieblingscafé heute zu ist und sie in ein doofes Café ohne Sofas ausweichen mußte, erstmal zugute halten sollte. Die falschen ßs zwischendurch bitte ich zu entschuldigen, ich verwende Windows XP und deshalb auch eine sehr alte Word-Version. Beim nochmaligen Lesen fällt mir auch auf, dass ich etwas zu häufig das Wort „geil“ benutzt habe, aber ist jetzt auch egal. Bleibt dem hoehenfunk treu, auch wenn er es euch manchmal schwer macht.

Liebste Grüße von Klarita

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