10 Wochen

Hallo, ich heiße Klara und ich bin 8 Jahre. Ich mag Weltall und Fußball und am liebsten spiele ich mit meinem Lego. Wenn ich groß bin, werde ich Astronaut.

Es ist Donnerstag, ich habe frei und keinen Sport gemacht, außer zu üben, aus dem Liegen auf die Füße zu springen. Das kann ich aber so schlecht, dass es nach dem dritten Versuch und der dritten Bruchlandung auf dem Rücken keinen Spaß mehr macht. Es ist noch früh, aber viel werde ich mich heute nicht mehr bewegen, weil Ludwin mich am Montag Zementsäcke hat schleppen lassen. Bei sowas muss ich es auch leider immer allen beweisen und sage nicht, dass zehn Mal 50 Kilo auf einer Schulter viel zu schwer für mich sind. Am nächsten Tag bin ich mit Nackenschmerzen auf einer Seite aufgewacht und konnte meinen Arm nicht bewegen, schade. Ich hoffe, das geht von alleine wieder weg, ansonsten bin ich lesenden Orthopäden für Ratschläge dankbar. Deshalb muss ich heute mein Gewissen beruhigen, indem ich etwas anderes, ich will nicht sagen sinnvolles, aber etwas gerne aufgeschobenes mache, einen Blogeintrag schreiben. Wie machen das richtige Blogger? Haben sie kein anderes Leben? Oder bekommen sie dafür sehr viel Geld?

Es fühlt sich in diesem Moment sehr gut an, dass meine imaginäre Liste der Dinge, die ich hier reinschreiben sollte, so kurz ist, dass ich vielleicht sogar alles schaffe! Heute geht es um „Cultura Viva Comunitaria“ (auf Deutsch klingt es noch besser: „Lebendige Gemeinschaftskultur“ oder so ähnlich), Kinderferia, Aymara-Neujahr, Pläne für die letzten Monate, was passiert, wenn ich an Rückkehr denke und was ich jetzt glaube danach alles zu tun. Außerdem gibt es wieder eine Top10, weil Top10s mir Spaß machen. Aber ich weiß noch nicht was für eine, das überlege ich mir beim Schreiben. Mit 14 habe ich mal eine Top10-Privatpersonen mit denen ich mal knutschen will gemacht, aber die habe ich leider in Bonn vergessen. Für das nächste Mal nehme ich ab jetzt Vorschläge entgegen.

Von Cultura Viva erzähle ich wohl nur das Wichtigste, obwohl alles wichtig war. Das Ganze ging nämlich drei Tage lang, an denen hauptsächlich ernsthafte Workshops und Konferenzen unter den beteiligten Organisationen stattfanden. Das hätte ich ihnen nicht zugetraut, schließlich sind diese Leute alle Bolivianer, teilweise sogar auch noch Künstler oder Studenten! #vorurteilezugeben #sichselbstertappen Eine Sache hat mir besonders gut gefallen, am Konfernztag. Es gab eine Liste von Punkten, die die Organisationen im Bund „Cultura Viva Comunitaria“ definieren. Da ging es zum Beispiel um Unabhängigkeit, Einklang mit der Pachamama und dem Buen Vivir und Offenheit gegenüber jedem. Diese Punkte sollten wir in Kleingruppen durchgehen und gegebenenfalls verändern und umformulieren, wenn etwas nicht passte oder redundant war. Das würde ich gerne professionell machen, im Kleinsten unmissverständliche, möglichst perfekte Formulierungen für die Dinge finden. Wenn jemand weiß, wo man das studieren kann, sage er mir bitte Bescheid. Sprache ist so geil. Ansonsten habe ich mich weder im Workshop, noch in der Konferenz groß beteiligt, weil es eben vor allem um El Altos Strukturen, (zu veränderndes) bolivianisches Kulturgesetz und Organisation der öffentlichen Veranstaltung ging, alles Dinge, von denen ich zu wenig Ahnung habe, um den Leuten durch Beiträge von mir ihre Zeit zu stehlen. In jeder Diskussion habe ich einmal etwas total Allgemeines zum Thema gesagt, um zu zeigen, dass ich verstehe worum es geht und dass das Inti eine clevere Freiwillige hat. Sich unwissend unter Wissenden bewegen, ohne dass zu viele Leute merken, dass man unwissend ist, auch das muss man fürs Leben lernen. In dem Konferenzcenter, wo die Konferenz gekonfernzt wurde habe ich gelernt, ein riesiges Mischpult zu bedienen und mit Marcelo von dem zum Tanzen optimalen Boden aprovechiert (eingefügter Iberismus, hier fehlt mir ein deutsches Wort). Und nachmittags war endlich die große Veranstaltung.

Mit den Ch’amampis, der Jugendgruppe, hatten wir eigentlich große Pläne geschmiedet. Fast alles war vorbereitet für Straßentheater, Feuerballspiele und andere wahnsinnige Sachen, die ich im letzten Eintrag angekündigt habe, aber irgendwie ist vieles dann doch nicht umgesetzt worden, weil keine Zeit dafür war, keiner die Materialien mitgenommen hatte oder wir es einfach vergaßen. Ich erzähle jetzt nichts von den nicht in die Tat umgesetzten Plänen, vielleicht kommt das ja noch ein anderes Mal. Ein paar Gruppen haben sich in der Ceja (El Altos „Innenstadt“) versammelt und sollten dann in einer Karawane bis zur gelben Telefericostation laufen. Unsere Freunde vom COMPA, Teatro Trono, waren schon fertig in Clownskostümen und mit ihren Trommeln. Wir durften also tanzen, denn wir bekamen unsere Trommeln erst auf halbem Weg, auf einer Plaza, auf der auch noch 200 Kinder warteten, mit denen das COMPA arbeitet. Sehr ambitioniert, ich war froh, dass unsere 500 weit weg in Senkata und Ventilla waren. Wir mussten uns ganz schnell unsere Trommeln umschnallen, weil der Rest der Karawane schon weiterlief. Ich war leider ganz hinten und niemand sah nach mir, als ich den Anderen hinterherrennen wollte, aber ein betrunkener Mann mich festhielt und lautstark einen Kuss von mir einforderte. Ich erklärte ihm, ich wolle ihn nicht küssen, ich sei auch gerade beschäftigt. Er war stärker als ich und nicht durch einen Gürtel mit Snaredrum dran um die Hüften behindert. In solchen Momenten vergisst man alles, was man im Selbstverteidigungskurs gelernt hat, weil man so geschockt ist, dass es diese mystifizierten Grapscher wirklich gibt. Marcelo hörte mich wahrscheinlich quietschen, ist zurückgerannt und hat mich gerettet. Sowas passiert manchmal, tagsüber sind viele Betrunkene auf der Straße und dann kommt so ein hilfloses Girly mit blauen Augen, warum nicht mal ein bisschen bützen? Das, was ich dann meistens unternehme, ist quietschen und verzweifelt eine vertrauenerweckende Person anschauen. Ich bin nach so etwas enttäuscht von mir, dass ich es nicht hinbekommen habe, den Mann mit meinen Sticks zu hauen oder in die Eier zu treten. Er hält mich mit Gewalt fest, warum befreie ich mich dann nicht selbst? Theoretisch weiß ich, wie das alles geht, ich kenne vier verschiedene Techniken zum Eierkicken. Aber wenn man dann wirklich mal festgehalten wird, traut man sich nicht. Es gibt wenig, was mich wütender macht, als wenn jemand seine körperliche Überlegenheit missbraucht, in welchem Ausmaß auch immer. Vor allem, weil mir dagegen keine allgemeine Lösung einfällt. Nach diesem Vorfall sind wir trommelnd bis zum Teleferico gelatscht und haben dort eine Batalla gegen die COMPAs gespielt. Wir waren besser, aber schlecht drauf, weil unterwegs eine Trommel und Marcelos Snare gerissen sind und wir unsere Streiche nicht spielen konnten. Eine Zeit lang standen wir nur herum und haben Fressen gezogen. Aber als das Programm auf der großen Bühne anfing, entspannten wir uns. Wir müssen immer tanzen. Es ist wie ein Zwang. Wenn Musik gespielt wird, vor Allem Folklore, haben wir alle Lust, miteinander zu tanzen und es macht immer unglaublich viel Spaß. Wir sind aber oft die Einzigen. Ich habe das Gefühl, dass wir die Anderen in der Öffentlichkeit mit unserer Geschlossenheit einschüchtern. Wir sind eine sehr enge Gruppe, es gibt nicht mal so etwas wie eine Gruppenspaltung, obwohl wir 14 Leute sind. Wir teilen alles und bleiben immer zusammen und wenn wir tanzen, stecken wir uns alle gegenseitig an und keiner von uns mag mehr herumstehen. Wenn einer irgendetwas Neues kann, bringt er es sofort allen anderen bei und wenn einer Lust auf Popcorn hat, kauft er welches und reicht es herum, sodass jeder gleichviel bekommt. Das ist wunderschön, aber niemand traut sich, da einzudringen. Auch wenn wir auf diesen Events ständig Bekannte treffen, bleiben wir unter uns. Nicht, weil wir nicht mit ihnen sprechen wollen oder sie doof finden, sondern weil wir funktionieren, uns gegenseitig und die Gruppe lieben. Also tanzten wir zusammen Chacarera, Tinku und Morenada und brachten uns gegenseitig Breakdancefiguren bei, bis kurz nach Sonnenuntergang endlich wir dranwaren. Anscheinend wurden wir als das Highlight des Abends erwartet, was uns erst bewusst wurde, als Rici von der Gruppe K’alaqaya uns sehr hochtrabend und unter großem Gejubel ankündigte. Wir bauten alles für das Feuer auf, zündeten zwei in Deutschland wahrscheinlich meldepflichtige Böller, um die Leute herbeizurufen und begannen dann damit, unseren selbstgebastelten Sarg, der eigentlich für einen anderen Streich bestimmt war, unter Verdammung aller schlechten Energien mit viel Benzin zu verbrennen. Einmal knallte es ein bisschen, was die Leute sagen ließ, dass das die schlechten Energien seien die da entflohen sind, und dass es viele gewesen seien, und Starke, gut dass wir sie verbrannt hatten. In vier Ecken um uns herum standen vier große Dosen mit Benzin darin, die wir auch anzündeten. Dann spielten wir Tarkas. Tarkas sehen aus, wie viereckige Blockflöten. Man macht damit „música autóctona“, traditionelle Flötenmusik. Es gibt große und kleinere Flöten, die soweit ich das höre, eine Quinte auseinanderliegen. Eine Person spielt Snare und zwei Weitere zwei große Trommeln. Zwischendurch singt man die Melodie, die man gerade gespielt hat, mit einem meistens ziemlich dämlichen Text. Beispiel: „Cinco por ocho, cuarenta, cuarenta chicas yo tengo, aunque pocita platita a toditas las mantengo!“, übersetzt: „Fünf mal acht, vierzig, vierzig Mädchen habe ich, trotz wenig Geld behalte ich sie alle!“ Man kann es natürlich auch mit „Chicos“ singen, das steht dem Künstler frei. Ein anderes Lied ist auf Aymara. Ich kann es auswendig, habe aber keinen Schimmer, was das alles bedeutet. Ich bin auch noch gut beschäftigt mit der Aussprache dieser Knacklaute aus dem Hals, die es im Aymara gibt. Wir sind bei dem Auftritt mit der Reihenfolge der Lieder durcheinander gekommen und vergaßen, wie das letzte Lied geht, aber es hat glaube ich niemand mitbekommen, weil die Trommeln so laut und tief waren, dass sie allen ein Martinszuggefühl im Bauch gemacht haben. Alle haben schön getanzt, an den Händen im Kreis um uns herum, wie sich das gehört. Ich sags mal, eigentlich hatten wir mit den Flöten Feuer machen wollen. Das geht toll, Baumwolle darumwickeln, Alkohol darüberkippen und anzünden, aber die Testreihe war noch nicht ganz abgeschlossen gewesen. Vermutlich wäre es schief gegangen. Danach haben wir getrommelt und im letzten Rhythmus mit Feuer gespielt. Linberth hat so unglaublich riesige Feuerwolken in die Luft gespuckt, dass selbst wir Angst hatten. Das wollen meine Eltern und Großmütter jetzt nicht lesen, aber einmal habe ich einen Schwall Kerosin ins Gesicht bekommen, dass es wirklich sehr großes Glück war, dass Linberth unbeabsichtigt die Flamme verfehlt hatte. Am Ende haben Adalidh und ich wunderbar zusammen geturnt und Breakdance getanzt. Adalidh beherrscht sein Werk wirklich sehr gut. Sein Geheimnis für Bauchmuskeln, so sagt er, ist, sich jeden Abend am Kopfende seines Bettes festzuhalten und seine Beine auf und ab zu bewegen. Ich habe mich auf den Kopf gestellt, Linberth hat eine Flamme zwischen meinen Füßen hergejagt und dann sollte ich mich auf dem Kopf drehen, damit Adalidh mit einer Sprungrolle über mich drüber springen kann, aber unser Timing war so schlecht, dass ich ihm beim Drehen, während er in der Luft war, zur Seite weggekickt habe. Das war so nicht geplant, sah aber bestimmt auch cool aus. Ich bin dann erstmal zu meiner Trommel zurückgeschlichen und habe Adalidh bis zum Ende das Feld überlassen. Wir waren alle auch ein bisschen froh, als wir es hinter uns hatten und das Ganze löste sich damit auf, dass Aldo, Linberth und Marcelo bei einem Interview fürs Fernsehen die Kamera anschrien und das Publikum sich in vier Gruppen um die brennenden Benzindosen herumdrängte, um der Kälte zu entkommen. Wir sind noch bis zum Ende dageblieben, um auch die restlichen Acts zu unterstützen, wie sie auch uns unterstützt hatten und haben schließlich den K’alaqayas beim Abbauen geholfen. Es ist merkwürdig, in Satelite oder La Paz Auftritte zu haben, weil ich immer vom Teleferico aus direkt nachhause latschen kann, meine Companeros aber noch bis nach Senkata fahren müssen, als würde ich dorthin gehören, die Intis aber in solchen Gegenden eigentlich nur zu Besuch seien. Mit Kopfschmerzen bin ich ins Bett gegangen. Abendliche Kopfschmerzen sind bei mir immer ein Zeichen dafür, dass es ein guter Tag war, denn ich bekomme Kopfschmerzen durch viel Bewegung in der Sonne, Nebelmaschinen und zu viel Gesauge an Pilfrut-Joghurttütchen.

Vergangenen Samstag hatten wir Abschluss mit den Kindern, da ja nächste Woche die Ferien anfangen. Dafür organisieren wir immer ein „Qhatu“, aymara für „Feria“, kastellanisch für „Markt“. Das bedeutet, wir bauen dort, wo der normale Wochenmarkt stattfindet, einen großen Stand mit Musik, Spielen und Präsentationen für Kinder auf. Dann bringen wir Samstagmorgen die Kinder von den Schulen dorthin und lassen sie spielen, ihre Tänze, Basteleien oder Theaterstücke vorführen, erzählen vorbeistreunenden Eltern, was wir als Inti Phajsi so machen und bringen mittags die Kinder wieder zurück. Das schwierigste an der ganzen Sache ist eigentlich immer, Tische, Stühle, Spiele und Tonequipment zu diesem Ort hinzuorganisieren. Zum Glück war ich daran am Samstag nicht beteiligt, weil ich die Kinder vom Colegio Bolivia Mar abholen musste. „Bolivia Mar“, also „Bolivien Meer“, bezogen auf Boliviens Meeresküste. Haha. Zehn Kinder hatten sich gemeldet, an der Aktion teilzunehmen und es waren tatsächlich fast alle schon da, als ich um viertel nach 9 zum Treffpunkt an der Schule kam, weil ich angekündigt hatte, um 9 loszufahren und keine Sekunde lang auf Zuspätkommer zu warten. Wir warteten auf María Belén, die noch ihrer Mutter helfen musste, ihren Mittagessen-Stand aufzubauen, während die Mutter mit ihrem Smartphone daneben saß, und auf Lorena, die das nicht gesehen hatte, und zu María Beléns Haus gelaufen war, um sie abzuholen. Die zehn Fünftklässler halfen ambitioniert, einen Minibus zu finden, der uns zur Feria fuhr, und wurden alle mindestens zweimal fast überfahren. In den fünf Minuten unterwegs habe ich wahrscheinlich hundert Mal nachgezählt, ob alle zehn Kinder noch anwesend und lebendig waren. (Notiz an mein unwahrscheinliches, aber mögliches zukünftiges Lehrer-Ich: Niemals an einem Wandertag der Sekunddarstufe I teilnehmen!) Vor Ort war ich restlos überfordert. Ich war die Refrigerio-Verantwortliche. Refrigerio ist ein Snack, der hier immer serviert werden muss, wenn man Leute zu einer Veranstaltung einlädt. Es gab zu wenige Brötchen und meine Kollegen hatten ihre Listen nicht fertiggemacht, jeder erzählte mir etwas anderes, wie ich das zu handlen hatte. Letztendlich drückte ich einfach jedem Kind, das vorbeikam und mich darum bat, ein Brötchen in die Hand und ließ für die Restlichen Empanadas einkaufen, fertig. Dann musste ich auch noch die Bolivia Mar-Girls für ihren Tanzauftritt frisieren und als es Zeit war zu gehen, eine halbe Stunde lang den Tränen nahe an der großen Straße nach den Jungs suchen, die schließlich aus einem Internetcafé geschlichen kamen. Ich schimpfte mit ihnen, dass sie nicht einfach ohne ein Wort abhauen könnten, dass ich mir große Sorgen gemacht hätte, was, wenn einer von ihnen überfahren würde, nichtmal ihren Kameradinnen hatten sie beim Tanzen zugesehen. Sie schämten und entschuldigten sich so süß, dass ich mich wiederum für die Standpauke schämte.

Als ich zurück ins Inti kam, aßen wir alle erstmal ganz viele der übrigen Empanadas und tranken die restliche Limo, bis wir pappsatt am Tisch saßen. Am selben Tag war die Nacht zum Aymara-Neujahr und es war geplant, dass wir alle im Inti schlafen, Süßigkeiten essen und Filme gucken, dann um 5 wieder aufstehen, ein Ritual für die Pachamama machen und die ersten Sonnenstrahlen empfangen. Deshalb wollten wir alle nochmal nachhause, unsere Sachen holen, uns ein bisschen ausruhen und uns um 19 Uhr wieder im Inti treffen. Aber Iveth bestand dann irgendwie darauf, dass wir noch alle zusammen kochen und zu Mittag essen. Das Mittagessen war um 18 Uhr fertig. Ich bin nachhause gehetzt, habe Pia abgeholt und für das Abendessen eingekauft und um neun waren wir im Inti. Weil wir ja gerade erst zu Mittag gegessen hatten, hatte leider niemand Hunger. Um dieses Problem zu lösen, gingen wir nebenan Wally spielen. Wally ist eine in Bolivienn sehr beliebte Gruppenbeschäftigung, an jeder Ecke gibt es Wallyhallen. Hier geht man Wallyspielen, wie man inn Deutschland zum Dart- oder Billardspielen geht. Wally spielt man wie Volleyball, aber mit Wänden, die als Banden zählen. Ich finde es immer relativ anstrengend, das mit den Intis spielen zu gehen, weil es eine meiner großen Schwächen ist, Sportspiele immer als eine sehr ernste Angelegenheit zu nehmen. Es macht mich fertig, dass Aufschlagregeln nicht beachtet werden, niemand die Notwendigkeit eines Zuspielers anerkennt und nicht rotiert wird. Aber ich weiß, dass das albern ist, und arbeite daran. Generell habe ich jahrelang Sport viel zu ernst genommen. Es gibt wirklich andere Dinge auf der Welt, über die man sich Sorgen machen sollte, als ein Kaderplatz in einer Hockeymannschaft und Siege, die sowieso nichts verändern. An sich ist es wichtig und macht Spaß, aber wenn es dann stressig und zur Belastung wurde, hätte man sich auch mal überlegen können, seine Energie lieber in Aktivitäten mit Sinn dahinter zu stecken. Nach dem Wally haben wir uns Vollkornnudeln mit Sahnesoße gekocht, gegessen und dann im 5 Grad-Schlafsaal Findet Nemo angeschmissen. Ich erinnere mich an die Worte „Wer beim Film einschläft, putzt morgen das Zimmer!“, aber natürlich war, noch bevor Marlin den ostaustralischen Strom erreichte, die ganze Bande eingeschlafen. Drei Stunden später, um sechs Uhr früh, klingelte Benito sturm. Sein Vater hatte ihm nicht erlaubt, im Inti zu übernachten, aber er wollte mit uns die Sonne begrüßen und ihre neue Energie empfangen. Yesenia ging herunter, ließ ihn herein und ging sofort wieder ins Bett. Ich stand als einzige sofort auf, nervös, weil es schon langsam hell wurde. Mit Ludwin, der laut über die Faulpelze fluchte, packte ich für das Ritual Holz, die fertigen Tischchen, Koka, Bier, Wein und puren Alkohol in Tüten und lief mit Benito und ihm schonmal vor zu der Kante des Hochplateaus. So etwas wie diesen Ausblick im Morgengrauen hatte ich noch nie gesehen. Am Himmel war keine Wolke zu sehen. Genau gegenüber standen die Riesen Illimani und Mururata mit schneebedeckten Gipfeln, etwas links davon kündigte sich mit etwas orangem Licht im Himmel die Sonne an und nach rechts zogen sich die Zacken der Ostkordilleren. Links lag die Stadt, in der gerade nach und nach die Lichter ausgingen und dahinter der 6000er Huayna, der als Erster bereits seitlich von der Sonne beschienen wurde. Vor uns im Tal lag der Nebel wie ein See, als seien die ersten Sonnenstrahlen nur für die großen Berggipfel und das Altiplano bestimmt. Diese ließen sich noch ein bisschen Zeit und so konnten wir noch bequem das Feuer vorbereiten und mit allen, auch den langsam eintrudelnden Morgenmuffeln das Ritual durchführen. Das funktioniert so, dass jeder drei Kokablätter auf das brennende Tischchen legt und für jedes einen Wunsch verschickt. Dann kippt jeder von dem Alkohol etwas auf alle vier Ecken des Tischchens, dasselbe nochmal mit dem Wein und dann wird mit Bier auf den Boden gespritzt. Dieses Alkohol verschütten heißt „Ch’alla“. Genau als das alles getan war, kam die Sonne hinter den Bergen hervor. Wir hoben unsere Hände der Sonne entgegen und nahmen ihre Energie und Wärme in uns auf. Es war ein so wunderbar neues und wohltuendes Gefühl, dass ich nicht anders konnte, als daran zu glauben, dass Tata Inti, Vater Sonne, für uns neu aufgeht und uns von seinen guten Energien etwas abgibt. Ich lasse mir in der Hinsicht Inka-Glaube und Existenz lebendiger Energien auch wirklich viel erzählen. Aber das ist okay, in Deutschland sind die nämlich sowieso viel zu schwach, sagen Marcelo und Giovana. Als die Sonne ganz aufgegangen war wünschten wir uns alle viel Kraft im neuen Jahr, machten Selfies und gingen zurück zum Inti. Dort krochen wir wieder unter Decken und Schlafsäcke und verzehrten die mitgebrachten Süßigkeiten, die am Vorabend verschmäht worden waren, zum Frühstück. Weil Pia mittags verreiste und ich endlich anständig schlafen musste, fuhren wir relativ bald nachhause. Nach ein bisschen gewhatsappe im Bett beschloss ich, einen zweistündigen Mittagsschlaf zu machen, wachte aber erst sechs Stunden später, um 19 Uhr und im Dunkeln wieder auf. Mit einem ganzer-Tag-verkackt-Gefühl schaute ich den letzten Step Up-Film und schlief danach einfach bis zum Morgen weiter, war wohl irgendwie nötig gewesen.

Die Jugendlichen hatten auch ihren Abschluss, aber ich weiß nicht mehr, ob ich davon schon im letzten Eintrag geschrieben habe und bin zu faul, nachzulesen. Zusammenfassend: Mein kleiner Chor hat ganz wundervoll „Sueno con serpientes“ und „I Like The Flowers“ gesungen. Die Zertifikate sind irgendwie hässlich geworden. Die Präsentation der Zirkus-Chicos hat gezeigt, dass Vivi mit 16 schon durchaus fähig ist, alleine einen Workshop zu leiten. Ofenhühnchen mit Ofenkartoffeln, Ofenkochbananen und Salat hat sich als wöchentliches Samstagsessen etabliert.

Die Bolivia Mar-Kinder lasse ich „Head and shoulders, knees and toes, knees and toes“ singen und sie lieben es. Das ist echt ein Riesenspaß, 39 Kindern zu sagen, die Reihe, die am lautesten singt, darf zuerst in die Pause. In Ventilla macht es einfach nach wie vor viel Spaß, den Kindern zu helfen, aber die Geschichten einiger Kinder lassen uns doch häufig sehr nachdenklich und schweigend nach Senkata zurück fahren. Wahrscheinlich arbeitet bald ein Psychologe mit uns zusammen, der dann ein paar Kinder betreuen soll. Das ist gut, aber wirklich beruhigen kann das nicht. Erlebt ist erlebt und ich kann mir nichtmal ansatzweise vorstellen, was einige Kinder so fühlen.

In der Jugendgruppe haben wir jetzt mit Theater angefangen. Marcelo hat mich ja schon beim Trommeln, Flöten, Tanzen und allem Anderen mit seinen seinen Fähigkeiten unglaublich beeindruckt, aber Theater ist seine Königsdisziplin. Die Theaterstunden Dienstags und Freitags sind das Eintauchen in eine andere Welt, in eine ganz andere Gemeinschaftsebene und ein neues Körpergefühl. Weil es fast für uns alle das erste Mal ist, dass wir richtig Theater spielen sollen, bereitet uns Marcelo erstmal darauf vor, was mit unseren Körpern eigentlich alles möglich ist. Das herauszufinden ist einfach überwältigend und wunderschön.

Am 29. Juni beginnen die offiziell zweiwöchigen Ferien. Alle sagen mir, dass sie fast immer um eine Woche verlängert werden, wenn es sehr kalt ist. Das verstehe ich nicht so ganz, ich hoffe nur, dass die eine Woche dazukommt, weil ich wirklich noch ein bisschen alleine reisen möchte. Wahrscheinlich hatte ich nichtmal die Hälfte meiner 24 offiziellen Urlaubstage, aber ich kann die Leute im Inti ja nicht einfach mit meinen Aufgaben alleine lassen, nur weil ich es offiziell darf. Aber ich könnte es auch wirklich mal gut gebrauchen, eine Woche lang Einsamkeit zu genießen oder auch mal jemand anders, als den Intis, zu begegnen. Das ist alles schön und entspannt im Inti, aber viel Platz für mich selbst und ganz eigene Gedanken hatte ich lange nicht mehr. Zwischen der ersten und Zweiten Ferienwoche fahren wir nach Llallagua, das Dorf von Ludwins Mutter, im Norden Potosis. Wir werden uns dort die Minen anschauen und schauen, wie es sich in so einem alten Arbeiterdorf lebt. Geil, frische Luft und Kultur!

Ansonsten muss ich mich auch langsam darauf vorbereiten, dass ich nicht mehr allzu lange hierbleibe. Ich muss meine Möbel verkaufen, mich anständig vom Inti verabschieden, Vorkehrungen für mein neues Leben in Bonn treffen und überlegen, was ich alles hierlasse, weil es nicht mehr ins Gepäck passt. Beim Schreiben ist mir gerade irgendwie ein riesiger Klops in der Brust gewachsen. Aber ich muss es wirklich mal aufschreiben, um mich endlich an diese Gedanken zu gewöhnen. Es ist wahrscheinlich gerade eine total merkwürdige Zeit für die meisten Freiwilligen, jedenfalls habe ich mit Pia darüber geredet. Es ist gerade noch so viel Zeit, dass man noch nicht anfangen sollte, zu viel an Zuhause zu denken, aber man beginnt doch schon, sich von den Dingen hier zu distanzieren, damit das Weggehen nicht zu hart wird. Ich bin irgendwo zwischen El Alto und Bonn und weiß nicht, wo ich jetzt gerade hingehöre. Wenn ich mir einrede, dass ich bald nach Bonn möchte, werde ich wahnsinnig, wenn ich mir einrede, dass ich hierbleiben will, auch. Ich weiß ja nicht mal, was von beiden stimmt, oder ob vielleicht beides stimmt.

Ich habe mich jetzt in Bonn für Kommunikation in der globalisierten Mediengesellschaft, Politik und Gesellschaft und Medienwissenschaften beworben. Solange ich für das mit dem langen Namen angenommen werde ist mir das Zweite auch egal. Dieses Fach gibt es zu diesem Wintersemester neu an der Uni Bonn und nur an der Uni Bonn. Ich glaube, sie führen es extra für mich ein. Wenn ich mir ein Fach für mich ausdenken würde, wäre es genau das. Aber man bekommt erst Ende August Bescheid und ich habe mich für nichts anderes beworben. Irgendetwas muss ich mir noch dazuüberlegen. Ich weiß, dass ich lernen möchte, wie man Leute durch Massenmedien manipuliert. Aber vielleicht muss ich das ja gar nicht hauptberuflich machen und wäre viel glücklicher, wenn ich mein Geld als Handwerker verdienen würde. Woher soll man das denn jetzt schon wissen? Blöder Mist.

Wenn ich zurück bin, geht meine Arbeit für das Inti auf jeden Fall weiter. Ich werde Beziehungen mit Spendewilligen aufbauen und pflegen und eines Tages dafür sorgen, dass die Ch’amampis wieder auf Deutschlandtournee gehen können. Und wie schon gesagt, Bonn braucht eine angesagte, wilde, träumende Trommelgruppe, es fehlen nur noch die Trommeln und die Gruppe. Also: Trommeln, Angesagte, Wilde und/oder Träumende bitte bei mir melden!

Ich mache also jetzt eine Top10 der Dinge, die ich an Deutschland vermisse und eine derer, die ich an Bolivien vermissen werde. Dabei lasse ich Personen außer Acht, sonst würde es einfach eine Liste mit 20 Namen. Außerdem fange ich bei 1 an um zu zeigen, dass keine Reihenfolge nach Importancia (weil „Wichtigkeit“ ein blödes Wort ist) vorliegt. Mit der Bolivienliste fange ich an.
Was ich an Bolivien vermissen werde:

1. Es kommt immer ein Bus. Ich habe jetzt schon keine Lust auf die SWB-Fahrpläne. Wie liest man die eigentlich nochmal? Hier kommt immer ein Minibus, Micro oder Trufi vorbei, der anhält, wenn man winkt. Man fährt niemals bis zur Haltestelle an seinem Haus vorbei, weil es keine Haltestelle gibt, sondern man schreit, dass man aussteigen will, wenn man aussteigen will. Es gibt also im Bus keinen Stopknopf und ich muss niemals von der Casselsruhe wieder zurückfahren, wenn ich vergesse, zu drücken.

2. Es gibt Mittagstisch. Mittags muss man hier weder kochen, noch in der Mensa essen, noch ein überteuertes Käsebrötchen kaufen oder ein vertrocknetes Käsebrötchen von Zuhause mitnehmen. Für 2-3 Euro bekomme ich hier an jeder Ecke ein „Almuerzo“ mit Suppe, Hauptgang und Limonade.

3. Es regnet nicht. Wenn die Regenzeit (Dezember bis März) einmal überstanden ist, regnet es nicht mehr. Nie. Von Mai bis Oktober ist durchgehend mit blauem Himmel zu rechnen. Das erfreut das Gemüt einer beschämten Regenhasserin.

4. Es gibt hohe Berge. Die 6000er um La Paz herum sind nicht nur wunderschön und majestätisch, sie laden auch zu Sonntagsausflügen und Wanderungen ein. Sie sind so hoch und so viele, dass sie, wenn man nur ein bisschen herausfährt, schon die Sicht auf die Hauptstadt verdecken und man nicht die ganze Zeit an Zivilisation erinnert wird.

5. Es gibt anständiges Obst und Gemüse. Auf den hiesigen Märkten gibt es Obst und Gemüse, das nicht aussieht wie Plastik und nicht nach Wasser schmeckt. Mango und Papaya sind für einen Spottpreis erschwinglich. Es gibt Tumbo, Tuna, Pacaya und andere abenteuerliche Früchte zu kaufen.

6. Es gibt einen Teleferico. Seilbahnfahren macht eben einfach Spaß. Vor allem in La Paz und solange der Illimani zu sehen ist. Bei Sturm ein echter Kick…

7. Es gibt Llajua. Die scharfe Soße, die hier bei jedem Essen dabei ist, wird mir sehr fehlen. Ich mag schon gar nichts mehr essen, das nicht scharf ist.

8. Dinge werden wertgeschätzt. Jedes Geschenk, jede Mahlzeit, jede Einladung wird nicht einfach so als selbstverständlich hingenommen. Alles Gute ist etwas sehr Wertvolles, wofür man dankbar sein sollte. Das verstehen hier die Meisten.

9. Ich kann mich in der Öffentlichkeit blamieren. Wenn ich hier auf der Straße etwas Merkwürdiges mache, kennt mich niemand, nichtmal von Facebook. Ich laufe herum und lasse mich bei dem, was ich tu, von nichts und niemandem beeinflussen. Was sagt ihr, wenn ich über den Münsterplatz laufe und Cro vor mich hin rappe? Oder wenn ich plötzlich Dehnübungen für meinen Popo mache, während ich vor dem Geldautomaten warte?

10. Der Sternenhimmel ist fantastisch. Ich weiß nicht, woran genau es liegt, aber selbst über der Millionenstadt El Alto sind die Sterne viel heller als in Bonn. Wenn man außerhalb der Stadt nachts in den Himmel guckt, ist das einfach nur noch unglaublich.
Worauf ich mich in Bonn freue:

1. Das Klima ist hautfreundlich. Von der Kälte, der Sonne, der Trockenheit und dem Staub hier bekomme ich Pickel und trockene Haut. Ich freue mich auf einen hautfreundlichen, feuchten, deutschen Winter.

2. Es gibt gutes Radio. Ich freue mich wirklich sehr auf WDR5- und Deutschlandfunk-Abende und WDR3-Autofahrten. Ich will nie wieder Raeggeton.

3. Es gibt leckere Gerichte. Die bolivianische Küche überzeugt nicht durch Vielfalt oder Kombinationsfreudigkeit. Kartoffeln mit Reis ist eine Beleidigung für das viele schöne Gemüse, was auf dem Markt vor sich hin gammelt.

4. Ich kann Hockey spielen. Ich liebe diesen Sport einfach und es gibt wenig, was ich lieber tu als Hockey spielen. Der Entzug dauert bis heute an. Ich rede nicht gerne darüber, aber ich glaube, wenn ich wieder in Deutschland bin, werde ich rückfällig.

5. Brüste haben ist okay. Jedes Mal laufen gehen oder Leggins tragen ist hier doppelt anstrengend, weil ich mich immer über Hinterhergepfeife oder -gehupe aufregen muss. Ich hasse, hasse, hasse das. Auch wenn es nett gemeint ist, reduzier mich in der Öffentlichkeit auf meine Brüste und du hast nie wieder eine Chance auf meine Symphatie.

6. Nicht normalsexuell oder -geschlechtlich zu sein ist auch okay. Dass man eine Frau ist, sich in Frauen verliebt aber vielleicht irgendwie nicht nur Frau ist, kann man hier keinem erzählen. Ich kann ohne weiteres von meinen „cuarenta Chicas“ singen, mit den Jungs breakdancen und mit Ludwin auf der Baustelle arbeiten, aber wenn man das Ganze theoretisieren und aussprechen würde, wäre es auf einmal bemerkenswert und unnormal. Dabei kennen mich doch alle. Ich verstehe nicht, wieso das so ist. In Deutschland ist dieser ganze Gender- und Sexualitätskrams aufgeklärter und verbreiteter. Bald kann ich endlich wieder erkannt in großen Hosen herumlaufen. Und das ist wichtig, weil es beeinflusst, wie ich behandelt werde.

7. Es gibt Grünzeug. Unter 4000 Metern gibt es dann hoffentlich auch wieder Bäume, Blumen und Wiesen. Ich habe so lange keinen anständigen Wald mehr gesehen oder auf einer Wiese gesessen und vermisse das beinah mehr als alles andere. Der Luxus, Pflanzen um sich zu haben, ist allgemein unterschätzt.

8. Es gibt meine Katzis. Ich wollte ja eigentlich keine Personen auflisten… Aber bei Marcelle a.k.a. Katzi und Fussel mache ich eine Ausnahme. Sie sind so süß und flauschig und warm und hören immer zu, wenn ich etwas zu erzählen habe. Wenn ich im Bett liege, kommt Fussel immer und legt sich auf meinen Bauch, mit dem Köpfchen an meinem Hals und dann wärmen wir uns gegenseitig. Normalerweise langweilen mich Haustiergeschichten. Aber bei den Eigenen ist das natürlich etwas anderes.

9. Es gibt Jahreszeiten. In El Alto sind das Wetter und Sonnenauf- und untergang eigentlich das ganze Jahr über gleich. Jahreszeiten bringen irgendwie langfristig Ordnung ins Leben, wenn man sich an Ereignisse zurückerinnern möchte oder nostalgisch an vergangene Weihnachten oder Frankreichsommerurlaube denkt.

10. Es ist einfach meine Heimat. Das Gefühl, wirklich Zuhause zu sein, bleibt vermutlich an einem Ort. Der Kottenforst, die Fachwerkhäuser, mein gammliges Kuschelzebra, die 630, der Rhein, die Glocken der Nikolauskirche, das Melbbad, die Hölle, der Fahrradparkplatz am CvO, das Wasserland, Oma Röttgens Flügel, die Katzenfüße ihres Wohnzimmertisches, Oma Kessenichs Benjamin Blümchen-Gläser und ihre Teller an der Wand, Lara-Imbiss und Miran-Döner, das Geräusch der Straßenbahn,… Das bleibt alles, wo es ist, und aus irgendeinem Grund von riesigem Wert.
So, das wäre mal wieder geschafft. Ich stelle fest, dass meine Skills in deutscher Sprache merklich nachlassen, aber dafür kann ich jetzt Spanisch. Ich wünschte, ich könnte wieder etwas mehr Geist und Witz in meine Texte bringen, aber irgendwie bin ich dazu momentan zu nachdenklich und besorgt. Die grundsätzlichen Fragen des Lebens, die mich beschäftigen, haben leider gar nicht so viel Witziges an sich. Aber vielleicht ist es ja das Geheimnis, den Witz zu finden, das alles nicht so ernst zu nehmen. Ich werde noch herausfinden, wie das Ganze funktioniert.

Übrigens freue ich mich über Rückmeldungen jeder Art zu den Texten. Meistens ist sie ja positiv, weil sie überwiegend von Verwandten und Mitfreiwilligen kommt, aber wenn sich noch jemand als hoehenfunk-Leser outen möchte, ist er mit Lob, Kritik, Schreibtipps und Nacktfotos herzlich willkommen in meinem Reflektionsprozess. So richtig weiß ich ja auch nicht, was ich da tu.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen Wahnsinnssommer und wundervollen Urlaub.

Bis dann ihr Süßen,
eure Klarita

 

http://betterplace.org/p16223

Jetzt könnt ihr euch sogar aussuchen, wofür ihr spendet, oder euch selbst etwas ausdenken und mir schreiben wofür es sein soll. Come on!

Bei Fragen und Anmerkungen, Risiken und Nebenwirkungen:
klara.leinen@gmail.com

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